Pizza, Praxis und das Potential von KI

Zu Gast bei Flexus – ein Gastbeitrag von Ralf Oppel:

Pizza, Praxis und das Potenzial von KI in der Softwareentwicklung

Ein gemütlicher Vormittag, heiße Pizza und tiefgehende Einblicke in die Zukunft der Technologie:

Kürzlich hatten wir Studenten der Geovisualisierung an der thws gemeinsam mit unserem Dozenten, Stefan Sauer, die großartige Gelegenheit, hinter die Kulissen der Firma Flexus zu blicken. Empfangen wurden wir in einer sehr lockeren und offenen Atmosphäre vom Geschäftsführer Stefan Popp sowie den beiden Mitarbeitern Alexander Popp und Andreas Kalamala aus dem Entwicklerteam.

Was als gemütliche Diskussionsrunde begann, entwickelte sich schnell zu einem faszinierenden Deep Dive in das Thema „Künstliche Intelligenz in der Software- und Anwendungsentwicklung“. Wer ist Flexus und was machen sie?

Für alle, die Flexus noch nicht kennen: Das Unternehmen ist ein echtes Schwergewicht, wenn es um Anwendungsentwicklung im SAP-Umfeld für Lager & Logistik geht. Dass ihre Lösungen Hand und Fuß haben, zeigt ein kurzer Blick auf den Kundenstamm. Branchengrößen wie Coca Cola, Brose, Daimler und ZF vertrauen auf die Expertise von Flexus.
Und genau diese Expertise wird aktuell durch den gezielten Einsatz von Künstlicher Intelligenz massiv erweitert.

KI im Entwickler-Alltag: Von Claude Code bis Vibe-Coding
Stefan, Alexander und Andreas gaben uns spannende Einblicke, wie tief KI bereits in die Unternehmensabläufe integriert ist. Flexus befindet sich momentan in einer starken, bereichsübergreifenden Testphase in allen Entwicklungsschritten.
Hier sind einige der spannendsten Praxis-Einblicke, die wir mitnehmen durften:
KI-gestütztes Programmieren: Das Team nutzt intensiv Claude Code, um den Entwicklungsalltag zu beschleunigen.
Agentengestützte Testszenarien: Die Qualitätssicherung wird zunehmend durch intelligente Agenten automatisiert, die selbstständig Testszenarien entwerfen und durchführen.
Eigene „Skills“ und Pipelines: Flexus entwickelt maßgeschneiderte Arbeitsabläufe (Skills) für Programmierung, Testen und Dokumentation. Das Ziel ist eine nahtlose Integration der KI in bestehende CI/CD-Pipelines.
Vibe-Coding: Besonders beeindruckend war der Ansatz der schnellen Prototypenentwicklung mittels „Vibe-Coding“ – einer intuitiven, KI-gesteuerten Herangehensweise, um erste Ideen in Rekordzeit greifbar zu machen.
Die Auswirkungen auf das Team: Sensibilisierung und Standardisierung

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Abends war, wie Flexus die Technologie in die Unternehmenskultur integriert. Es geht nicht darum, den Entwicklern einfach ein Tool in die Hand zu drücken. Neue Mitarbeiter werden schrittweise eingewiesen und sensibilisiert.
Das erklärte Ziel von Stefan und Alexander: Durch den KI-Einsatz sollen firmeninterne, gleichmäßige Abläufe geschaffen werden. Egal, welcher Mitarbeiter an einem Projekt sitzt, die Code-Qualität und die Dokumentation sollen durch die KI-Assistenz auf einem konstant hohen, standardisierten Niveau bleiben.
Das Resultat, das die drei uns bestätigten?
ine extreme Effizienzsteigerung im gesamten Entwicklungsprozess.
Übrigens macht Flexus nicht beim Code halt: Auch für die Entwicklung von Marketingkonzepten und die Weiterentwicklung der eigenen Webseite wird die KI bereits erfolgreich als Sparringspartner genutzt. Der Blick in die Zukunft: Wirtschaftlicher Zwang und offene FragenTrotz der spürbaren Begeisterung war die Diskussion auch von Realismus geprägt.

Geschäftsführer Stefan machte deutlich, dass die Weiterentwicklung der Firma mit KI kein reines „Nice-to-have“ ist. Der Markt entwickelt sich rasant, und man ist wirtschaftlich getrieben und geradezu gezwungen, diese Technologien zu adaptieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Dabei gibt es auch kritische Themen, die die Unternehmensstruktur und die Zukunftsaussichten prägen:
Die Kostenfrage: Aktuell liegen die Lizenzen für KI-Tools bei etwa 20 Euro pro Nutzer im Monat. Doch was passiert, wenn die Anbieter ihre Marktmacht ausnutzen und die Kosten auf mehrere Hundert Euro ansteigen?
Diese Ungewissheit ist ein realer Risikofaktor für die Unternehmensplanung.
Fehlende europäische Alternativen: Ein Punkt, der in der Runde mit großem Bedauern diskutiert wurde, ist die geopolitische Abhängigkeit. Es gibt derzeit schlichtweg keine ernstzunehmende, gleichwertige europäische KI-Alternative zu den großen US-amerikanischen Modellen.

Fazit:
Der Besuch bei Flexus war für uns Studenten ein absolutes Highlight. Die Kombination aus entspanntem Pizza-Essen und hochprofessionellem Austausch hat uns gezeigt, dass KI in der Softwareentwicklung längst keine Zukunftsmusik mehr ist. Sie ist ein mächtiges, aber auch herausforderndes Werkzeug, das den Entwickler-Alltag von Grund auf verändert.

Ein großes Dankeschön an Stefan, Alexander und Andreas für die offenen Worte, die tiefen Einblicke und den tollen Vormittag!