Algen, Pilze und Bakterien

Pilze, Algen und Bakterien: Bauen wir bald mit lebenden Fassaden?

Wer kennt das nicht? Man schlendert durch ein Museum, sieht ein Exponat und denkt sich: „Coole Idee, aber das kann ich doch auch!“

Genau so ging es mir über Ostern in Kopenhagen. Mein Pflichtbesuch im DAC (Dansk Arkitektur Center) im beeindruckenden BLOX-Gebäude hat mich direkt gepackt. Die aktuelle Ausstellung „Age of Nature“ zeigt dort nicht nur grauen Beton, sondern Visionen, wie wir künftig im Einklang mit der Natur bauen. Ein Projekt stach dabei besonders hervor: Living Materials.

Das sind eigentlich „lebende Materialien“?

Die ETH Zürich hat bereits dazu geforscht:
https://map.ethz.ch/research/alive.html

Vergesst kalten Stahl und Glas. Hier geht es um Substrate, die buchstäblich atmen. Wir sprechen von Pilzmyzelen, Bakterien oder Algen, die in 3D-druckbare Strukturen integriert werden. Der Clou: Diese Materialien sind nicht nur recycelt, sie sind CO2-negativ. Anstatt bei der Herstellung Unmengen an Treibhausgasen in die Luft zu blasen, speichern diese biologischen Fassaden den Kohlenstoff während ihres gesamten Lebenszyklus.

Vom Tortenguss zur High-Tech-Visualisierung
Eine kurze KI-Recherche am Smartphone (man ist ja schließlich Dozent für digitale Medien 🙂 ) lieferte sofort die ersten „Kochrezepte“: Sägemehl plus Pilzkulturen ergeben mit Mehl, Wasser und Psyllium eine breiige Masse, die Schicht für Schicht aufgetragen wird. Optisch erinnert das Ganze momentan noch eher an das Verzieren einer Torte – nur eben weniger lecker und noch nicht ganz so präzise wie richtige 3D-Drucke.

Und hier kommen wir ins Spiel: An der THWS lehren wir nicht nur, wie man Dinge schön aussehen lässt. In der Geovisualisierung geht es darum, komplexe Prozesse begreifbar zu machen.

Wie verändert sich die Textur der Pilz-Fassade über die Jahre? (Simulation)

Wie verarbeitet man so ein Material eigentlich und wie könnten notwendige Stützstrukturen aussehen?

Wie sähe eine solche Fassade an einem Gebäude in der Würzburger Innenstadt aus? (Augmented Reality macht’s möglich!)

Deine Bachelorarbeit? Ich hätte Bock!
Die Herausforderungen sind riesig: Rezeptur, Design, statische Haltbarkeit und das Verhalten unter fränkischen Wetterbedingungen. Das ist der perfekte Spielplatz für innovative Projekt- oder Bachelorarbeiten an der Schnittstelle zwischen Architektur, 3D-Visualisierung und Biologie.

Wir haben am Röntgenring die Tools – von High-End-Scannern bis zu VR-Brillen –, um diese Zukunft schon heute begehbar zu machen.

Also: Wer von euch hat Lust, die Architektur der Zukunft nicht nur zu zeichnen, sondern wachsen zu lassen? Meldet euch bei mir – ich bin bereit, wenn ihr es seid!